Der Harz-Ring ist für die European Scooter Trophy nicht irgendeine Strecke. Der Kurs steht seit Jahren für enge Zweikämpfe, kurze Reaktionszeiten und Rennen, in denen Fehler kaum verziehen werden. Genau deshalb war die Vorfreude auf den dritten Meisterschaftslauf der Saison 2026 besonders groß. Die Strecke verlangte von den Fahrerinnen und Fahrern alles ab: saubere Linien, Mut auf der Bremse, Vertrauen in das Material und ein gutes Gefühl für wechselnde Gripverhältnisse.
Zusätzlich lag über dem Wochenende eine besondere Spannung. Ende September kehrt die EST an den Harz-Ring zurück, dann mit dem großen 12-Stunden-Rennen. Der Meisterschaftslauf wurde damit automatisch auch zu einer Generalprobe. Teams konnten Abläufe testen, Fahrer sammelten wertvolle Runden auf der Strecke, und auch organisatorisch war das Wochenende ein wichtiger Vorgeschmack auf das Langstreckenhighlight.
Doch zunächst ging es nicht um Ausdauerstrategie, Fahrerwechsel oder Langstreckentaktik. Im Mittelpunkt stand der dritte Meisterschaftslauf. Und der hatte es in sich. Das Wetter war praktisch nicht planbar. Mal sah es nach trockenen Rennen aus, dann zogen dunkle Wolken auf, kurz darauf setzte leichter Nieselregen ein. Für die Fahrer bedeutete das: permanent neu einschätzen, wo Grip vorhanden ist, wo man attackieren kann und wo Zurückhaltung die bessere Entscheidung ist.
Gerade diese Unberechenbarkeit machte den Reiz des Wochenendes aus. Einige Rennen wurden über die pure Geschwindigkeit entschieden, andere über Cleverness, Geduld und das richtige Maß an Risiko. Wer den Harz-Ring kennt, weiß: Auf dieser Strecke kann man nicht einfach verwalten. Jede Kurve lädt zum Angriff ein, jede Runde kann das Rennen drehen.
Die K1 Rookies gingen mit viel Spannung in den dritten Saisonlauf. Schon vor dem Start war klar, dass am Harz-Ring wichtige Punkte für die Meisterschaft vergeben werden würden. Die Strecke bietet den Nachwuchsfahrern wenig Zeit zum Durchatmen. Wer hier früh in einen Rhythmus findet, kann sich absetzen. Wer am Start den Anschluss verliert, muss hart arbeiten, um wieder nach vorne zu kommen.
Im ersten Rennen war Noah Siemer sofort hellwach. Er kam stark weg, setzte sich früh an die Spitze und fuhr anschließend ein sehr kontrolliertes Rennen. Während hinter ihm die Positionen sortiert wurden, gelang es Siemer, sich Stück für Stück aus der direkten Gefahrenzone zu lösen. Sein Rennen wirkte abgeklärt, fast schon routiniert. Gerade in einer Nachwuchsklasse ist das ein starkes Zeichen, denn auf dem Harz-Ring reicht reine Geschwindigkeit allein nicht aus.
Dahinter entstand einer der interessanteren Kämpfe des Rennens. Norbert Horvath und Frederik Kikkenborg lieferten sich ein intensives Duell. Kikkenborg blieb lange in Schlagdistanz, doch Horvath hielt dem Druck stand und konnte sich im letzten Renndrittel entscheidend absetzen. Tim Zimmermann, der mit viel Ambitionen ins Rennen gestartet war, musste sich der Konkurrenz mit technischen Problemen geschlagen geben. Er kam am Ende des Rennens nur auf Platz 4.
Das zweite Rennen erzählte eine andere Geschichte. Diesmal hatte Tim Zimmermann beim Start die Nase vorn. Siemer musste sich zunächst einordnen und fand zwar schnell wieder seinen Speed, konnte das Tempo von Zimmermann aber nicht mehr entscheidend kontern. Zimmermann nutzte die freie Strecke vor sich und fuhr ein starkes Rennen bis ins Ziel.
Um Platz drei wiederholte sich das Duell Horvath gegen Kikkenborg, diesmal mit dem besseren Ende für Kikkenborg. In der Schlussphase, als die Reifen und die Konzentration gleichermaßen gefordert waren, setzte er den entscheidenden Angriff und sicherte sich den letzten Platz auf dem Laufpodium. Damit blieb auch die Tageswertung eng. Siemer gewann das Wochenende, Zimmermann hielt mit seinem Sieg im zweiten Rennen dagegen, und Horvath bestätigte seine konstante Form.
Für die Meisterschaft bedeutet dieses Ergebnis: An der Spitze bleibt es dicht. Siemer setzte zwar ein Ausrufezeichen, aber Zimmermann bleibt in Schlagdistanz. Auch Mario Costanzo nahm wichtige Punkte mit und hielt sich damit im erweiterten Kreis der Fahrer, die im weiteren Saisonverlauf noch eine Rolle spielen können.
| Platz | Fahrer | Punkte Wochenende |
|---|---|---|
| 1. | Noah Siemer | 45 |
| 2. | Tim Zimmermann | 38 |
| 3. | Norbert Horvath | 33 |
Die gemeinsam gefahrene K2/K4-Gruppe war eines der Rennen, in denen das wechselhafte Wetter besonders deutlich zu spüren war. Schon vor dem Start hingen dunkle Wolken über dem Harz-Ring. Alle wussten: Wenn es zu regnen beginnt, kann sich das Kräfteverhältnis innerhalb weniger Runden komplett verschieben.
Marc Brüggeshemke bestimmte zunächst das Geschehen. Er setzte sich an die Spitze und wirkte über weite Strecken wie der Fahrer, den es zu schlagen gilt. Seine Linie war sauber, sein Tempo hoch, und dahinter mussten sich Alex Herrmann und Tammo Schoon zunächst sortieren. Doch mit zunehmendem Nieselregen wurde das Rennen schwieriger. Brüggeshemke fuhr sichtbar mit Reserve, während Herrmann den Druck von hinten erhöhte.
In dieser Phase wurde das Rennen taktisch. Wer zu viel riskierte, konnte schnell wegrutschen. Wer zu früh Tempo herausnahm, wurde sofort attackiert. Herrmann blieb dran, Schoon nutzte jede kleine Unsicherheit, und Tobias Christl arbeitete sich ebenfalls in eine gute Position. Die Spannung stieg Runde um Runde. Dann kam das technische Drama: Brüggeshemke fiel in der Schlussphase mit Defekt aus. Damit war der Weg frei für Herrmann, der die Situation sofort nutzte und den Sieg ins Ziel brachte. Schoon wurde Zweiter, Christl sammelte mit Rang drei wichtige Punkte.
Im zweiten Rennen wollte Brüggeshemke die Antwort auf der Strecke geben. Nach seinem Ausfall im ersten Lauf startete er entschlossen und setzte sich wieder an die Spitze. Doch diesmal ließ sich Schoon nicht abschütteln. Er griff früh an und übernahm kurzzeitig die Führung. Brüggeshemke konterte, während Herrmann in Lauerstellung blieb und das Duell vor sich genau beobachtete.
Herrmann musste allerdings auch nach hinten aufpassen. Kevin Frese roch seine Chance und blieb in Schlagdistanz. Das machte die Situation für Herrmann doppelt anspruchsvoll: nach vorne attackieren, ohne nach hinten angreifbar zu werden. In der entscheidenden Rennphase setzte Herrmann dann innen auf dem Weg Richtung Start-Ziel seinen Angriff. Er kam vorbei, übernahm die Position und brachte das Ergebnis kontrolliert ins Ziel.
Die Tageswertung ging damit an Alex Herrmann. Tammo Schoon zeigte mit zwei starken Ergebnissen ebenfalls ein sehr gutes Wochenende. Tobias Christl profitierte von Konstanz und Cleverness und komplettierte das Podium. Markus Dürr war in der K4 mit maximaler Punkteausbeute unterwegs. Für die Supersport-Wertung war Herrmann der Mann des Wochenendes.
| Platz | Fahrer | Punkte Wochenende |
|---|---|---|
| 1. | Alex Herrmann | 45 |
| 2. | Tammo Schoon | 36 |
| 3. | Tobias Christl | 26 |
| Platz | Fahrer | Punkte Wochenende |
|---|---|---|
| 1. | Markus Dürr | 50 |
| 2. | Daniel Schürgens | 20 |
Die K3 Expert war am Harz-Ring einmal mehr das sportliche Aushängeschild der European Scooter Trophy. Drei Rennen, hohe Leistungsdichte und Fahrer, die sich nichts schenken: Genau daraus entstand ein Wochenende, das lange in Erinnerung bleiben dürfte.
Der erste Lauf am Samstag begann mit einer Überraschung. Dustin Schnelle hatte bereits im Qualifying gezeigt, dass mit ihm zu rechnen ist. Im Rennen setzte er dieses Versprechen sofort um. Er kam stark weg, übernahm früh die Führung und bestimmte das Tempo. Hinter ihm folgte Noah Lequeux, der immer wieder versuchte, den Abstand zu verkürzen. Lequeux kämpfte verbissen, doch Schnelle blieb fehlerfrei. In der Rennmitte fehlte Lequeux etwas der Speed, wodurch Schnelle sich eine kleine, aber entscheidende Lücke herausfahren konnte. Der Sieg ging verdient an Schnelle.
Das zweite Rennen begann fast wie eine Kopie des ersten. Schnelle vorn, Lequeux dahinter, Attila Gaspar in der Verfolgerrolle. Doch diesmal wirkte Lequeux noch entschlossener. Er setzte Schnelle früh unter Druck und suchte mehrfach die Lücke auf der Bremse. Schnelle hielt dagegen, blieb ruhig und verteidigte seine Linie konsequent. Dahinter lieferten sich Henning Gras und Andreas Lukas einen intensiven Zweikampf um Platz vier. Reifen an Reifen ging es durch mehrere Passagen, bevor Gras die Nase vorn behielt.
In der Schlussphase bekam Gaspar technische Probleme und fiel zurück. Damit öffnete sich der Weg für Gras, der erneut wichtige Punkte sammelte. Vorne blieb es bis zur letzten Kurve spannend. Lequeux attackierte, Schnelle verteidigte, und am Ende brachte Schnelle auch diesen Sieg ins Ziel. Es war ein Rennen, das zeigte, warum die Expert-Klasse ihren Namen trägt: hohe Geschwindigkeit, harte Zweikämpfe und dennoch faire Manöver.
Das dritte Rennen begann dramatisch. Schnelle lag erneut vorn, doch Lequeux stürzte früh. Auch Lukas war in einen Zwischenfall verwickelt. Gaspar rückte dadurch auf Platz zwei vor, Gras lag zunächst auf Rang drei. Lequeux verlor durch den Sturz jede realistische Chance auf den Sieg, gab aber nicht auf und arbeitete sich zurück ins Rennen. In Runde neun kam es zu einem schweren Sturz von Lukas. Das Rennen musste abgebrochen werden.
Nach dem Restart über sieben Runden blieb Schnelle zunächst vorn. Gaspar folgte, Gras lauerte dahinter. Lequeux machte in dieser Phase den größten Sprung nach vorn. Er kämpfte sich auf Platz vier und kurz darauf weiter auf Platz drei. Dann griff er Gaspar an und übernahm die zweite Position. Damit war der Weg frei für ein direktes Duell mit Schnelle.
Was folgte, war eines der Highlights des gesamten Wochenendes. Lequeux attackierte aggressiv, aber fair. Schnelle verteidigte mit allem, was er hatte. Mehrfach lagen beide so eng beieinander, dass die Zuschauer den Atem anhielten. Kurz vor Schluss ging Lequeux mit der Brechstange in den Angriff. Schnelle konnte einen Sturz gerade noch vermeiden, verlor aber in diesem Moment Platz eins. Gras nutzte seine Erfahrung und profitierte im entscheidenden Moment. Er holte sich Platz zwei im dritten Rennen. Die weitere Überraschung folgte beim Nachwiegen nach dem Rennen: Lequeux und Collin lagen knapp außerhalb der Gewichtstoleranz und wurden disqualifiziert.
In der Tageswertung blieb Dustin Schnelle mit zwei Siegen und einem zweiten Platz der klare Sieger. Henning Gras sammelte durch Konstanz und Rennintelligenz starke Punkte. Attila Gaspar komplettierte trotz technischer und rennbedingter Herausforderungen das Podium und profitierte von der Disqualifikation von Lequeux. Die K3 zeigte am Harz-Ring Motorsport in seiner intensivsten Form.
| Platz | Fahrer | Punkte Wochenende |
|---|---|---|
| 1. | Dustin Schnelle | 70 |
| 2. | Henning Gras | 54 |
| 3. | Attila Gaspar | 43 |